Es wird wahrscheinlich immer ungeklärt bleiben, warum dieses wunderschöne
Kirchlein auf freiem Feld an der Straße zwischen Forchheim und Marching (ehemalige
Salzburg - Nürnberger Landstraße) erbaut wurde.
Die Kirche hat einen eingezogenen quadratischen Chor im Ostturm, mit origineller
dreieckiger Chornische. Das Langhaus ist flach abgedeckt. Im Chor Spitztonne, nun der
Triumphbogen. Der Turm ist mit einem Satteldach bedeckt, dessen Spitze an der Nord- und
Südseite mit je einer Schwalbenschwanzzinne endet. Am Turm außen, sehr seltene
Ritzmuster.
In amtlichen Dokumenten wird das 13 x 7 m große Gotteshaus immer als "Stephanskapelle"
bezeichnet. Für die Forchheimer ist sie aber immer schon die "Stefanikirche"oder
auch "Steffelskirche". Sie ist den Forchheimern im Laufe der
Jahrhunderte ans Herz gewachsen. So erhielt auch die Hauptstraße in Forchheim bei der
Vergabe von Straßennamen im Jahre 1979 die Bezeichnung "Stefanistraße."
Das genaue Baujahr der Kirche ist unbekannt. In den Aufzeichnungen heißt es, daß die
Kapelle St. Stephan schon lange vor1433 dotiert war. Dem Baustil nach muß sie Ende des
13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut worden sein. Während das Benefizium Forchheim erst am 29. Januar 1469 gestiftet wurde,
ist bereits im Jahre 1417 Kaplan Rugerus Hamel aus Marching von Bischof Albert von
Regensburg verpflichtet worden, alle Freitage eine Wochenmesse auf St. Hippolit-Altar zu
lesen. Dafür er aus der Dotation der Stefanikirche erhalten solle "unam scaffan
singilis (1 Schaff Roggen oder Weizen), duas succas (2 Ferkel), quator Gallinas(4 Hühner
oder Gockel) et quator cascos (und 4 Gänse)."
Um 1700 wurde die Kirche mit einem Rokkoko-Altar mit stark gewundenen Säulen
ausgestattet. Das Altarbild zeigte das Maria-Hilf-Bild von Innsbruck-Passau. Links davon
stand eine bemalte Holzfigur des Hl. Stephanus im Diakonengewand (Ende 15. Jhrh.,
85cm hoch). In der Kirche hingen viele Votivtafeln aus mehr als zwei Jahrhunderten. Bei
einem Einbruch 1970 wurde die ganze Kirche samt dem Altarbild ausgeraubt.
Um dieses Gotteshaus ranken sich einige Legenden.
So ist im Visitationsbericht von 1590 (Ordinariatsarchiv Regensburg) folgendes zu lesen:
"Diese Kirche steht immer offen, weil die Pilger zum Hl. Salvator im
Vorbeigehen sie besuchen wollen und hier zu beten pflegen. Wundersame Dinge ereignen sich
an diesem Ort. Man sagt, wie immer man die Kirche am Tag verschließen kann, während der
Nacht öffnet sie sich von selber und steht wieder offen".
Eine andere Sage erzählt, daß man einmal den herrlichen
gotischen Stefan gestohlen und nach Pirkenbrunn gebracht habe um dort eine Wallfahrt zu
beleben. Doch der Hl. Stefan wanderte selbst im tiefen Schnee zu seiner Kirche in
Forchheim zurück und wartete dort auf Einlaß an der Kirchentüre.
Als der Hl. Stefan 1967 gestohlen wurde, glaubte niemand mehr recht, daß er wieder in
seine Kirche zurück kommt. Doch anfangs der siebziger Jahre kam er über die Landpolizei
Riedenburg aus Hannoversch Münden wieder zurück. Er wird jetzt jährlich nur noch am
Stefanitag (26. Dezember) in seiner Kirche aufgestellt.
Die Stefanikirche war in früherer Zeit immer mit Pferden verbunden. Aus dem Jahre 1770
und danach werden vom Stefanitag Pferderennen überliefert. Im Pförringer
Verkündbuch des Jahres 1803 wird für den vierten Adventsonntag folgendes angesagt:
"Morgen über 8 Tage, also am Stephanstag, wird zu Forchheim ein Pferderennen
gehalten." Pfarrer Fleischmann von Pförring schreibt im Bayerischen Anzeiger
Regensburg im November 1937: "Bis in jüngster Zeit herein hielten die
Forchheimer Bauern um die Stefanikirche ihren alljährlichen Umritt mit Opfer. Schon vor
Tagesanbruch kommen die Reiter aus Forchheim und bringen ihre Getreidespende, damit der
Hl. Stephan wieder ein neues Gewand bekommt."
Im Jahre 1807 sollte die Stefanikirche abgerissen werden. Am 04.09.1807 ersucht Pfarrer
Philip Reichmayr das Ordinariat um die Zustimmung zur bereits fest beschlossenen
Demolotion der St. Stephanskirche bei Forchheim. Diese sei entbehrlich, habe keine
Stiftung, keine Kapitalien, keine Einkünfte um sich selbst zu unterhalten. Sie werde bald
zum Ärgernis der vorbeireisenden Nürnberger Kaufleute oder anderer protestantischer
Fuhrleute. Die spätere Entwicklung zeigt jedoch, daß offenbar die Gemeinde Forchheim die
Niederlegung der sehr alten Kirche nicht dulden wollte und sie in ihr Eigentum übernommen
hat. In einer Abrechnung der Kirchenstiftung Forchheim aus dem Jahre 1864 wird hierzu
notiert: "Die St. Stefanuskapelle in Forchheim ist Eigentum der dortigen Gemeinde.
Sie ist ohne Fundation und wird nur durch die freiwilligen Gaben einiger Wohltäter
unterhalten."
Leider wurde dieses Kirchlein in den letzten Kriegstagen 1945 arg mitgenommen und in
sinnloser Weise vernichtet: Der Altarstein wurde erbrochen, das Bild des Hl. Stephan vom
Altare heruntergeworfen, die wertvollen geschnitzten Verzierungen zerschlagen und
teilweise am Lagerfeuer, das man in der Kirche angezündet hatte, verbrannt. Erst 1949 hat
Kunstmaler Vogl aus Regensburg der Kirche wieder ein neues Gewand gegeben. Alle, ie zum
ersten Gotesdienst nach der Renovierung gekommen, sind waren überrascht.
Auch bei der Renovierung 1978/79 wurden Stimmen laut, die Kirche verfallen zu lassen
und dann abzubrechen. Bis auf ganz wenige Bürger haben dann jedoch alle durch Spenden
dazu beigetragen, die Kirche gründlich zu renovieren. Bei der Innenrestaurierung wurden
Seccomalereien im Chorraum teilweise freigelegt. Die Malereien zeigen die 12 Apostel, die
Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag und Gottvater im Himmel.
So wurde die Stefanikirche wieder zu einem Schmuckstück.
Wenn am 2. Weihnachtsfeiertag die Glocke, die bei dieser Renovierung von einem
unbenannten Forchheimer Bürger gespendet wurde, zum Patrozinium des Hl. Stephanus ruft,
kommt durch die vielen Gottesdienstbesucher zum Ausdruck, daß die Forchheimer immer noch
zu ihrer "Stefanikapelle" stehen. |